Südamerika

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Die Ankunft am Aeropuerto in Lima versetzt uns erstmal einen echten Kulturschock."Ihr wollt von hier zum Zentrum - mit Fahrrädern ???" ist die Gegenfrage der Sicherheitsbeamten am Flughafen die wir um Rat fragen. Empfehlen können sie uns das nicht, die Gegend ist viel zu gefährlich - Überfallgefahr. Wenn dann bloß niergends anhalten ist der letzte Rat den wir mit auf den Weg bekommen. Die Verkehrspraktiken auf der mehrspurige Avenida Faucett gleichen im morgentlichen Berufsverkehr einem Überlebenskampf. Regeln scheint es nicht zu geben, wir passen wir uns zwangsweise an und fahren über rote Ampeln, überholten LKW's auf allen verfügbaren Spuren wahlweise rechts oder links. Ein Gutes hat es immerhin, in diesem Chaos kann uns kaum jemand ernsthaft überfallen wollen.

Die Cordillera Blanca, eine vergletscherte Andenregion in Peru, ist unser erstes wichtiges Ziel. Hier müssen wir unsere Körper erstmal an die dünne Höhenluft gewöhnen. Einer dieser "Akklimatisierungsausflüge" führt uns vom Tal in Caraz auf 2200m zur 4200m hoch gelegenden, smaragdfarbenen Laguna Paron. Die Höhenkrankheit trifft uns wie ein Hammer. Müdigkeit, Schlappheit, Kopfschmerzen, Herzrasen, Schnappatmung - die letzten Kilometer quälen wir uns nur noch hoch. Wir liegen abends völlig aphatisch in unseren Zelten, zu schwach um noch Essen zu kochen - selbst schlafen ist unter dem Einfluß der Höhenkrankheit kaum möglich. Doch nach erfolgter Höhenanpassung kann die Radtour starten.

Unsere erste Bewährungprobe ist der Pass "Portachuelo de Llanganuco" - 45km permanente Steigung auf einer Piste die schlechter kaum sein könnte - loser Steinboden, Schlaglöcher und handballgroße Felsbrocken soweit das Auge reicht.

Aber die Landschaft entschädigt, auf 4500m errichten wir ein Camp wofür sich alleine schon viele der Mühen lohnen. Unsere Zelten stehen direkt vorm Huascaran, dem mit 6768m höhsten Berg der Tropen und Perus! Aber nicht nur vor dem - Chopicalqui, Huandoy- wir sind umzingelt von 6000m Bergen und blicken zudem 1000m den Pass hinunten in die Tiefe auf eine türkise Lagune.

Die Abfahrt nach Überquerung der Passhöhe bei 4750m bei ist indes ist kein Spaß. Die Bremse kann man kaum einmal los lassen, so holprig geht es zur Sache. 

Die Dörfer durch die es geht hinterlassen einen mehr als traurigen Eindruck. Wir sind angekommen in der 3. Welt - so scheint es zumindest. Armut pur soweit das Auge reicht, erschreckende Wohnverhältnisse, Dreck und Müll! Immer wieder werden wir von Menschen ohne Zähne und Kinder mit flehenden Augen um Pesos und Essen angebettelt. Wenn wir, die Gringos, mit unseren Rädern eingefahren sind wir stets eine Sensation - alle Augen richten sich auf uns, meistens freundlich und nur ab und zu auch anti-nordamerikanisch feindlich. Nur sehr selten erleben wir das Kinder mit Steinen nach uns werfen. Ansonsten erleben wir, trotz der für deutsche Maßstäbe miserablen Lebensverhältnisse, lebensfrohe und freundliche Menschen! 

Weniger freundlich sind die Hunde. Oft hilft es nur noch mit Steinen zu werfen - ein Radler mit einer hässlichen Bisswunde in der Wade war uns Warnung genug. 

Der Punta Olimpica Pass setzt einige Tage später noch eins drauf - 4890m über Null!

Zur Passhöhe, einer alten stillgelegten Straße, müssen wir die letzten 300 Höhenmeter hyperventilierend schieben, die Piste ist zu schlecht und der unberührte Schnee liegt zu hoch! 

Per 24 Stunden Busfahrt geht es mangels Zeit nach Arequipa - Weltkulturerbe der UNESCO. Und in der Tat, es ist eine betörend schöne Altstadt.

Aber wie immer in Peru, nur ein paar hundert Meter außerhalb vom Zentrum erwarten uns Dreck, Müll, Gestank, dunkle Dieselwolken und Hausbaracken. Die Peruaner sind drauf und dran ihr Land, ihre Städte und ihre atemberaubend schöne Natur, zuzumüllen.Es ist traurig mit anzugucken wie selbstverständlich auch die Kinder hier den Müll draußen in der Natur entsorgen. "Wer soll das bloß alles irgendwann wieder wegräumen" fragen wir uns immer wieder verzweifelt.  

Warum besteigt man den Everest? - "Weil er da ist" hat der berühmte Bergsteiger George L. Mallory mal auf diese Frage geantwortet. Ähnlich erght es uns nahe Arequipa. Da liegt natürlich nicht der Everest, aber immerhin ein 6000er Berg im Weg. Und da er nun schon mal da ist, können wir auch versuchen ihn zu besteigen.

Wir "buchen" uns einen Bergführer und los geht das Abenteuer 6000er! Der finale Gipfelangriff soll vom letzten Camp auf 5200m um 1 Uhr nachts starten - "Wir wecken euch um 1 Uhr, es ist wichtig das wir früh los kommen" waren die Worte des Bergführers.

Als ich jedoch um 2:30 zufällig aus den höhenbedingten Halbschlaf aufwache ist aus den anderen Zelten höchstens ein Schnarchen zu hören - das Weckkommando müssen wir übernehmen. Kletterkunst ist für diesen Gipfel wahrlich nicht von Nöten, aber spätestens ab 5700m ist mein Körper am Ende. Wir trotten den Gipfel in einem atemberaubend langsamen Tempo entgegen, gerade so als würden wir hier wirklich heldenhaft den Everest besteigen. Die dünne Luft und wieder mal alle Anzeichen von Höhenkrankheit machen jeden Schritt zur Überwindung. 2 Schritte vorwärts und erstmal wieder nach Sauerstoff kämpfend in Hechelatmung verfallen.

Unser Bergführer sagte uns zu Beginn, dass der Kopf bereit sein muss für so einen Gipfel und ja, er hat Recht - zum Gipfel ist nur mein Wille und mein Kopf gelaufen, mein Körper war nur Balast. Am Gipfel sind wir zu schwach uns zu freuen......

Von Arequipa geht es über den grandiosen Colca Canyon, dem zweittiefsten Canyon der Welt, weiter gen Cusco - das sagenumwobene Maccu Pichu steht natürlich auch auf dem Touristen Programm! Der Patapampa Pass, 4910m hoch, stellt sich jedoch zunächst in den Weg. Dieser Pass ist jedoch asphaltiert, wird von vielen LKW's befahren.

Da liegt es nahe sich ab und zu an einen der langsamen LKW's anzuhängen und ziehen zu lassen. Ein Radler hinten im Schlepptau - für die LKW Fahrer hier kein Grund nervös zu werden. Diese Hilfe ist willkommen - mich hat es mal wieder mit Durchfall erwischt. "Können wir uns die Hände waschen?" Diese Frage wurde in einem der typischen Hühnchenrestaurants zunächst mit einem Stirnruntzeln und dann mit einer Schüssel Wasser, die selbstverständlich ohne Seife auf die Straße gestellt wurde, beantwortet. Wo und wie wäscht sich der Koch hier die Hände? Bei dieser Art der Hygiene ist es kein Wunder das man mit einem untrainierten europäischen Magen ab und zu Montezumas Rache zu spüren bekommt.

Maccu Pichu - neben Tikal die einzige UNESCO Stätte die dem Weltkultur- als auch dem Weltnaturerbe angehört und die Touristenakktraktion Südamerikas schlechthin. Keine Straßen führen dorthin, einzig ein Zug kann zur "bequemen" direkten Anreise benutzt werden. Der Weltwunderaufschlag ist bei den Fahrpreisen freilich schon mit eingerechnet. Wir entscheiden uns für die billige, zeitintensive und anstregende Anreise. Diese ist als "Weg der Armen" in unserem, bei Reiseradlern über Mund zu Mund Propaganda in ganz Peru bekannten, Hostel in Cusco beschrieben. Per Rad, Bus, Collectivo (Kleinbus der Einheimischen, der spaßeshalber auch Chicken Bus geannt wird weil hier oft auch die noch lebenden Hühner transportiert werden) und Wanderstrecke entlang der Schienen geht es in 4 Tagen zur bekannten Inka Stadt.

Einige Tag später bekomme ich einen Anruf aus Deutschland - Grund ist die Berichterstattung in deutschen Medien über ein Busunglück in Peru. Und tatsächlich, dieses Unglück hat sich wohl nur 1 Tag später auf genau der Strecke ereignet die wir auf unserem Weg zur Inkaruine ebenfalls per Bus gefahren sind. Ein Passstraße die von über 4300m unglaubliche 3 Höhenkilometer hinunter ins subtropische Tal führt. Wie so oft in Peru landschaftlich atemberaubend aber sicherheitstechnisch ein Albtraum, ungesicherte Steilkanten an denen es mehrere hundert Meter nach unten geht - ein Fahrfehler und......

 

Am Lago Titicaca erreichen wir das Altiplano, eine Hochebene die nie unter 3500 Höhenmeter abfällt, und Bolivien. Von La Paz aus steht eine Reise ins Unbekannte an. Zunächst geht es im Touristenprogramm die Road of Death, die ehemals gefährlichste Straße der Welt, 3 Höhenkilometer in subtropische Gebiete hinunter.

Aber unser Ziel liegt nochmal knapp 1500 Höhenmeter tiefer, der tropische Regenwald im Amazonas Becken. Über die Strecke dorthin, völlig untouristisch, wissen wir nur das sie bei Regen unpassierbar werden kann. Wir sind gespannt ob und wie wir die Tropen, eine für uns völlig neue Klimazone, und den Dschungel mit unseren Bikes erreichen werden.....

 

In La Paz wohnen wir für ein paar Tage in der "Casa de Ciclistas" Cristian stellt hier ein ganzes Haus in bester Lage exklusiv Radreisenden zur Verfügung. Unsere WG Mitbewohner auf Zeit sind größtenteils Radler die den ganzen Kontinent bereisen, von Feuerland bis Alaska. Ein Paar aus der Schweiz ist gar seit 8 Jahren unterwegs. Mit meinen knapp 5 Monaten bin ich hier ein Kurzzeit-Radreisender. Der Abschied von der Stadt und den interessanten Menschen fällt schwer, aber die Zeit drängt. Nachdem wir auf unserer Wintertour die subartkische Klimazone erreicht hatten ist das Ziel östlich von La Paz das andere Extrem: der tropische Dschungel!

 

 

 

 

 

 

 

Zunächst geht es noch gemütlich auf der berühmten "Road of Death" hinunter. Die ehemals "gefährlichste Straße der Welt" mit spektakulärer Straßenführung wird heute fast nur noch von Mountainbikern befahren. Aber selbst dabei kommen wohl noch einige zu Tode.

Unsere Probleme fangen danach an: Straßensperrung. Durchlass nur zwischen 17 Uhr und 5 Uhr. Wir nehmen notgedrungen einen schrottreifen LKW als Mitfahrgelegenheit um weiter zu kommen. Die Piste ist saueng, kurvig, massiv erdrutschgefährdet und direkt neben uns geht es ungesichert mehrere hundert Meter in die Tiefe - eine "echte" Todesstraße. Die Straße wird rappelvoll - es folgen Manovriermanöver an der Steilkane unter Scheinwerferlicht das den Namen nicht verdient. Eine Stelle ist hell erleuchtet: Dort ist vor ein paar Tagen ein Reisebus hinuntergestürzt - ohne Überlebenen. Unser Fahrer ist zum Glück ein Meister seines Faches. Wir kommen lebend nachts in Caranavi an und suchen uns unter "Gringo" Rufen eine Bleibe.

Die 400 km lange Sackgasse in den Dschungel ist auch sonst ein Risiko, eine Erdpiste die bei Regen unpassierbar werden kann.Da die Regenzeit ihren Höhepunkt normalerweise erst ab Januar erreicht, sind wir guter Dinger. Pech nur, das "die Regenzeit dieses Jahr viel früher dran ist" wie uns ein Einheimischer später aufklärt. Eines Nachmittags fängt es an zu regnen wie ich es selten erlebt habe. Als der Regen aufhört bleibt nur Matsch übrig. Dieser Matsch ist eine klebrige Masse die sich um alle beweglichen Teile legt. Die LKWs und auch wir stecken fest, nichts geht mehr. Die Katastrophe ist perfekt als beim Versuch noch etwas zu fahren das Schaltauge, also die Befestigung des Schaltwerkes am Rahmen, bricht. Totalschaden im Nichts, im Schlamm! Durch viel Improvisation und Glück das richtige in der Notfallbox zu finden, können wir den Schaden bedingt beheben. Trotzdem müssen wir nochmal ein Taxi nehmen. Auch diese Straße ist tagsüber gesperrt, wir fahren nachts. Unser Fahrer, Pedro, hat den ganzen Tag gearbeitet und ist völlig übermüdet. Kokablätter kauend jagt er sein Taxi über die Rüttelpiste, ab und zu hält er an um ein paar Minuten zu schlafen. Überglücklich erreichen wir den Dschungelort Rurrenabaque.

Dort buchen wir uns einen Führer. Mit Sandro, einem Idigena der im Dschungel aufgewachsen ist, verbringen die nächsten Tage mitten im tropischen Urwald. Wir schlafen nur mit einem Moskitonetz über uns, morgens hören wir die Brüllaffen und bei Nachtwanderungen sehen wir natürlich auch übergroße Taranteln. Wir schwimmen zusammen mit Delphinen die uns vor den Krokodillen beschützen und essen nach Kokusnuss schmeckende Ameisenköniginnen bei lebendigem Leib. Und natürlich schwingen wir uns auch mit Lianen durch die Gegend. Tarzan lässt grüßen.

Ich versuche Sandro indes davon zu überzeugen doch ab und zu mal die Zähne zu putzen. "Indigena brauchen so etwas nicht" sagt er immer wieder. Warum Indigena im Alter dann auch keine Zähne mehr brauchen kann er mir zwar nicht erklären, aber ich fürchte meine Überredungskünste haben bei ihm versagt. Immerhin, seine Kinder müssen 2 mal am Tag die Zähne putzen - das reicht mir fürs Erste.

Eine wichtige Frage war jedoch noch offen: Wie kommen wir jetzt wieder zurück nach LaPaz um unsere Radtour gen Süden fortzusetzen? Der erneute lange Landweg sollte nur die absolute Notlösung sein. Die Dame bei der Amazonas Fluglinie weigerte sich jedoch standhaft unsere Räder als Gepäck einzuchecken. Verzweifelt fragen wir ob es möglich sei, das Rad seperat als Fracht zu verschicken. "Klaro, das ist möglich. Und in der selben Maschinen können sie dann auch mitfliegen" Kein schlechter Witz sondern nur die ganz normale Absurdität, die wir nur zu oft in Peru und Bolivien erlebt haben.

So endet auch das Abenteuer Dschungel wie es bisher immer auf allen unseren Reisen geendet hat. Irgendwie geht alles gut. Ich bin immer wieder fasziniernd darüber was alles möglich ist wenn es einfach nur macht. Das ist eine der schönsten Erfahrungen bei unserem "Abenteuer Radreise"

Weiter geht es, nun wieder auf dem Altiplano auf 3500m, zum "Salar de Coipasa" und "Salar de Uyuni". Früher waren sie Teil eines Meeres, heute riesige ausgetrocknete Salzseen. Der Unterschied zum Dschungel könnte kaum größer sein.

Kein Baum, kein Strauch, kein Tier - nur absolute Stille und unendliche Weite für mehrere hundert Kilometer. Wir orientieren uns per GPS. Insbesondere die Nächte in dieser unwirklichen Welt der Stille sind beeindruckend. Das Verlassen des "Coipasa" wird richtig schwer. Die Ausläufer bestehen nicht mehr aus einer harten Salzfäche. 10km wuchten wir die Räder durch Matsch bis wir wieder "Land" unter den Rädern haben.

Das sonst so nützliche GPS Gerät "verleitet" uns in Oruro. Wir stehen auf einmal mitten im Slum. Aufgeknöpfte Leichen hängen hier an den Häuserwänden. Die Polizei will oder kann hier nicht eingreifen, die Puppen sind eine Warnung was passiert wenn man hier aus der Rolle tanzt. In Ouruo selbst erleben wir eine positive Überraschung: Ein vorweggenommenes Karnevals Fest! Mehrer Hundert Gruppen ziehen den ganzen Tag über tanzend an uns vorbei. 

"Nie wieder" ist die Antwort der meisten Radreisenden die wir nach der "Lagunenroute" im Süden Boliviens befragen. 350km Wellblechpiste die oft so versandet ist, dass man nur noch schiebend vorwärts kommt. Temperaturstürze und jeden Tag Wind und Sandstürme auf einer Höhe zwischen 4000 und 5000 Metern. Die Strecke hat den Ruf eine der härtesten machbaren Pisten per Reiserad zu sein.

Versorgungsmöglichkeiten unterwegs gibt es keine, auch Wasser kann nur alle 2-3 Tage nachgetankt werden. Wir starten extrem schwer mit über 20kg Nahrung und 20 Liter Wasser auf den Bikes.

Die Strecke wird für mich vor allen Dingen auch eine mentale Herausforderung. Zu Beginn eines Tages rege ich mich noch über die Piste auf, später dann über mich selbst wenn ich mich zum 100. mal festgefahren habe. "Warum sitze ich eigentlich nicht gemütlich zuhause und gucke einen langweiligen Film?" "Weil es einfach affengeil ist sein Rad bei -16 Grad durch den Sand zu schieben und kein Wasser zu haben" hat mir die Tage ein befreundeter Welt-Radreisender geschrieben. Recht hat er! Es ist eines dieser intensiven Outdoorerlebnisse die nicht mehr so oft zu finden sind. Und ein Bad bei Sonnenaufgang und -10 Grad in einem 36 Grad heißem Warmwasserpool vor einer Lagune mit rosafarbenen Flamigos ist natürlich auch "affengeil", umso mehr nach den Strapazen. Nach 600km Piste erreichen wir in Chile wieder Asphalt! Die Abfahrt in die Atacama Wüste wäre eine Highspeed Strecke. Wir haben jedoch Gegenwind, sodass ich die 30km nur herunterrolle, ohne ein einziges Mal treten oder bremsen zu müssen - Rekord!

Argentinien - im Vergleich zu Peru und Bolivien eine andere Welt. Eine Luxusoase! Vorbei sind die Zeiten des Verzichts - auch beim Essen. "Asado" Grillfeste mit Wein oder Bier stehen fast täglich auf dem Plan.

In besonderer Erinnerung bleibt uns das "Gaucho" Asado mit Sebastian, zu das er uns in seiner Finca einladen hatte. 3 Personen, also seien 3 Kilo Fleisch notwendig, erklärt er uns. Beilagen gibt es keine - kein Brot, kein Salat, keine Gewürze - "solamente carne" wie er betont. Sebastian will leben wie ein Gaucho, ohne jeglichen Luxus. Spätestens beim Anblick der Finca wird uns klar, dass er das verdammt ernst meint. Kein Strom, kein fließend Wasser, kein Bett, keine Möbel, einfach nichts! Wir grillen und essen wie patagonische Gauchos. Auf dem Boden hockend, wird das Fleisch nur mit einem Tuch gehalten und mit dem Messer abgeschnitten. Kein Teller, kein Besteck, kein Stuhl, kein Tisch - es schmeckt delikat!

Vor unserem Zelt perfektionieren wir in der kommenden Zeit das „Gaucho“ Asado dann noch etwas. Einen Rost haben wir nicht dabei und so wird das tägliche Lomo direkt auf der Glut gegrillt - Asche ist praktischerweise geschmacksneutral!

Aber nicht nur das Fleisch wird gegrillt - am 1. Advent zeigt unser Thermometer 46 Grad. Hallo Weihnachtsstimmung? Jede Erfrischung nehmen wir dankend an! "Das Bier ist nur dann ein gutes Bier wenn es eiskalt ist“ hören wir immer wieder von den Argentiniern die es sich oft schon am Mittag gönnen. Bei den Temperaturen tun wir das aber auch, und so endet mancher Tag ungewollt früh.

Das Argentinien, trotz der sofort sichtbaren besseren Situation im Vergleich zu den nördlichen Nachbarn, auch schwere wirtschaftliche Probleme hat zeigt die Geldwechselpraxis. In Bolivien haben wir uns 100 Dollar Noten besorgt, für die bekommen wir auf dem Straßenschwarzmarkt Argentiniens satte 40% mehr argentinische Pesos als über den offiziellen Wechselkurs im regulären Bankensystem. Bei dieser Flucht aus der eigenen Währung sieht sogar unser zwielichtige Straßengeldwechsler "schwarz" für sein Land und ihre Währung.

 


Vor Paraguay werden wir gewarnt. "Der Wilde Westen Südamerikas - da trauen sich noch nicht mal die LKW Fahrer durch" bekommen wir zu hören. Wir erleben das völlige Gegenteil! Entlang der endlosen Sojafeldern erleben wie viel Gastfreundschaft. Einen regelrechten Kulturschock bekommen wir in Hohenau, einer der vielen deutschstämmigen Siedlungen in Paraguay. Dort entdecken wir einen Campingplatz der uns quasi in einen Heimaturlaub schickt. Die Betreiberfamilie spricht perfekt Deutsch, in Deutschland seien sie aber noch nie gewesen. "Ja aber warum sieht denn hier alles so aus wie in Deutschland" fragen wir verwirrt. Achselzucken beim Vater und mit einem Grinsen berichtet er uns, dass viele Südamerika Reisende diesen Platz als den saubersten und am besten organisiertesten in ganz Südamerika bezeichnen. Dem können wir uns anschließen.

An den Iguazu Wasserfällen, die in der Realität nochmal beeindruckender sind als auf den Fotos, endet die gemeinsame Reise mit Matthias. Er fliegt zu seiner Freundin nach Quito und ich nach Rio de Janeiro. Dort treffe ich Toby, mit ihm geht es weiter durch Brasilien!

Rio de Janeiro - Die Prachtstrände von Copacabana und Ipanema stehen im Kontrast du den Armenvierteln, den Favelas, die wir besuchen. Schnell wird klar, Brasilien ist ein Land der Gegensätze! Die Tage in Rio verbringen wir mit Simon, einem Backpacker aus Kanada der perfekt portugisisch spricht und zudem seine Gitarre immer dabei hat. Mit der Gitarre spielend ziehen wir mit ihm durch die Stadt. Der Kontakt zu den musikbegeisterten Brasilianern fällt so leicht. Vorfreude auf die Fußball Weltmeisterschaft? Fehlanzeige! "Zu teuer, zu viel Geld das vernichtet wird, welches im sozialen Bereich dringend benötigt wird" Nur selten hören wir von den Leuten auf der Straße mal eine andere Meinung als diese!

Am heiligen Abend verlassen wir Rio mit dem Flugzeug mit Ziel Porto Seguro. Dort erleben wir eine böse Weihnachtsüberraschung. Die Bikes sind nicht da, die Fluggesellschaft hat sie beim Umsteigen in Bela Horizonte vergessen. Wir können kein Portugisisch, die Mitarbeiter am Flughafen kein Englisch. Es dauert bis wir jemanden finden dem wir zumindest ansatzweise klar machen können, dass wir Fahrräder vermissen und das wir ohne diese ziemlich aufgeschmissen sind. Für uns ungewohnt geht es per Taxi in ein nahegelegenes Hotel. Und dort bekommen wir spät am Abend noch ein Weihnachtsgeschenk: die Fahrräder per Express Post! 

Das Radeln ist mühselig. Das Klima im afrikanisch geprägten Bundesstaat Bahia ist für sportliche Aktivität gewöhnungsbedürftig. Ein Faktor im Kampf um die WM-Krone? Bestimmt!

Über die Sylvestertage mieten wir uns bei Michael ein. Michael ist jahrelang durch die Welt gereist und hat hier am tropischen Strand sein persönliches Paradies gefunden und ist geblieben. Zimmer haben wir keine, wir schlafen in Hängematten zwischen Palmen direkt am Strand. Ein wahres Paradies! Aber auch dieses Paradies hat hier seine Schattenseite.Während wir ein rauschendes Sylvesterfest am Strand erleben, werden 1 km entfernt von uns am selber Strand in dieser Nacht 2 Menschen ermordet. "Macht alles, aber geht nicht abends betrunken am Strand ins Dorf" war der eindrückliche Rat von Michael. Spätestens jetzt wissen wir warum!

Ein besonderer Ort lag noch auf Weg gen Norden: Santo Andre - in deutschen Zeitungen bekannt geworden weil hier das Camp der deutschen Nationalmannschaft gebaut wird. Im Dorf kommen wir mit einem ausgewanderten Schweizer ins Gespräch. Die Verwunderung über den nicht unumstrittenen Neubau hält sich bei ihm in Grenzen, haben doch hier im Dorf ehemalige Topmanager bekannter deutscher Großkonzerne ihren Alterswohnsitz. Nur per Fähre geht es weiter um zum Hotel der Nationalmannschaft zu kommen.

Die Baustelle zum "Campo Bahia" ist natürlich hermetisch abgeschottet und bewacht. Wir haben Glück! Eine nette Mitarbeiterin erklärt sich nach Bitten bereit uns eine kleine Führung zu geben. Die Kameras müssen wir abgeben, ein Sicherheitsbeamter folgt uns auf Tritt und Schritt. Wir können alle beruhigen, die Arbeitsbedingungen scheinen gut zu sein und die Anlage wird es auch! Als wir gerade wieder draußen vorm Tor stehen kommt eine hochrangige Delegation der deutschen Baufirma: "Seid ihr beide von der Presse?" ist die erste Frage. Ich blicke auf mein Reiserad und schaue den Manager fragend an. "Ihr glaubt nicht was die alles anstellen um hier rein zu kommen" ist seine Begründung für die etwas weit hergeholte Vermutung. Uns wird klar: Der hätte uns hier garantiert nicht reingelassen!

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