Tasmanien/Neuseeland

im Rahmen der Asien Tour - Teil 4:  Australien

Unser Ziel ist Tasmanien – die Insel im Süden Australiens. Bevor es jedoch mit dem Flieger dort hin geht, müssen die Räder zum ersten Mal auf dieser Tour richtig sauber gemacht werden. Für umgerechnet 1Euro lassen wir unsere Bikes bei einem Roller Waschservice auf Hochglanz polieren. Eine gute Investition. Die Kontrolle der Räder am Flughafen ist penibel. Selbst das Zelt müssen wir zur Begutachtung auspacken– aus Angst vor schädlichen Pflanzensamen.

Früher war “Tassi”, wie die Insel liebevoll genannt wird, ein Geheimtipp.

 

Heute wird die Insel, die nur etwa 1% des roten Kontinents ausmacht, mehr und mehr touristisch. Die Einwohner sehenes zwiegespalten. Einerseits bringt der Tourismus natürlich Geld vom Festland auf die Insel. Andererseits berichtet uns Dave, waren er und seine Frau früher immer alleine wenn sie mal zum campen hinausgefahren sind. Heute sind die Camingplätze randvoll . Aber „ihr habt euch den schönsten Flecken Australiens ausgesucht“, versichert er uns stolz!

 

Uns stören die randvollen Campingplätze freilich nicht. Wir campen meist wild - in Wäldern, an Seeufern oder am Strand an teils traumhaften, klischeereifen Plätzen.

Gestört werden wir nur von Fuchskusus. Fuchskusus sind rattenähnliche Beuteltiere, die nachtaktiv sind und auf Radlerfutter abfahren. Sobald wir in unseren Schlafsäcken liegen wittern sie ihre Chance und tapern mit reichlich Ausdauer um unsere Zelte herum.

 

Die Tierwelt hat ansonsten auch noch einiges Neues für uns zu bieten. Wallabys - eine kleine Känguruart, Wombats - Beutelbären oder Ameisenigel. Leider bekommen wir diese Tiere meinst nur tot zu Gesicht, getötet durch den Autoverkehr.

Ein kleiner “Kulturschock” ist Australien von Asien kommend für uns dann doch. Die Lebensart ist eine völlig andere, eine “westlich” geprägte wie bei uns in Europa. Das “Abenteuer” und “Neue” in Sachen Kultur nimmt hier ein Ende. Wir sind zunächst etwas irritiert. Diese lockere Lebensfreude und Herzlichkeit, die insbesondere viele “finanziell arme” Menschen in Asien zu eigen haben, findet hier erstmal gefühlt nicht mehr statt.

Aber das ist natürlich nur der erste oberflächliche Eindruck. Wir lernen in der kommenden Zeit viele fantastische Menschen kennen. Blake und Ingrid zum Beispiel. Sie laden uns via Internet sogar zu sich ein obwohl sie in den Flitterwochen verweilen und erst am nächsten Tag wieder nach Hause kommen. Den Schlüssel zum Haus finden wir in Gummistiefeln vor der Türe mit dem Hinweis, uns wie zuhause zu fühlen.

 

Bei Mendelt und Ingrid in Hobart kommen wir dagegen genau passend zur Geburtstagsparty an. Ein Highlight wird der Whisky, den Mendelt mir zu später Stunde serviert. Es ist ein Sullivan's Cove. Mendelt hat diesen Whisky von dem ansässigen Destillerie Besitzer als Dankeschön für Klempnerarbeiten bekommen. Was wohl keiner von den beiden damals geahnt hat: Eben dieser Whisky wurde vom World Whisky Award zum besten Single Malt des Jahres 2014 gewählt. Ein Sechser im Lotto für die Destillerie, der die Preise explodieren ließ – bis zu1000 Dollar pro Flasche! Insofern genieße ich jeden Tropfen der nun sündhaft teuren Spirituose aus Getreidemaische.

Auswärts essen gehen, das in Asien quasi jeden Tag auf der Tagesordnung stand, fällt hier so gut wie komplett aus.  Viel zu teuer für das schmale Radreisebudget.

Aber auch das Angebot der kleinen Roadhouses ist nicht vergleichbar mit der Vielfalt in Asien. Hier gibt es meist nur Burger und Fritten – ab und zu sicherlich mal ganz nett, aber jeden Tag? Nein danke!

So füllen wir uns die Packtaschen an jedem verfügbaren Supermarkt immer wieder randvoll und kochen fortan wieder, wie wir es gewöhnt sind, auf unserem Benzinkocher selbst. Nicht alles müssen wir kaufen. Viele Obstsorten finden wir am Wegesrand. Selbstgemachte Brombeer-Marmalade auf frisch gebackenen Banock Fladen? Ein Frühstücks-Camping Traum! Es ist ein einfaches Leben mit und in der Natur - ein Leben das wir lieben und genießen können.

 

Die passende Natur dazu hat Tasmanien zu bieten. Die Strände hauen uns um. Sauberes, blaues Meerwasser, das mal wütend mehrere Meter gegen Felsen brandet, mal sanft in hellen Sand fließt. In der “Bay ofFire”, der Feuerbucht, finden wir dies dann noch kombiniert mit rundgeschliffenen Granitfelsen, die mit der feuerroten Caloplaca-Flechte übersät sind. Eine bezaubernde Farb-Kompositation“made by nature”

Im Inland erwarten uns mächtige Eukalyptus Bäume, Wäder,

kristallklare Bergseen aber auch viel Farmland. Nicht selten fragen

wir bei den Bauern, ob wir in den eingezäunten Gebieten übernachten

dürfen. Ein Problem ist das nie, im Gegenteil. Einige lassen es sich

nicht nehmen, uns mit diversen Produkten aus dem heimischen

Gartenanbau zu beschenken.

Einige Pisten durch das Hinterland haben eher den Charakter einer Mountainbike Tour. Umso erstaunlicher als wir auf einmal Autogeräusche hören. Fünf Landcruiser quälen sich den Berg hoch. Zwanzig Männer vom Typ “Kante” steigen aus und erkundigen sich nach unserem Wohlergehen. Ein Offroad Fahrtraining für Polizisten findet hier statt, erklären sie mir. Ich schaue einige Zeit zu und staune. Mit Hilfe von Seilwinden und Inkaufnahme einiger Kratzer nehmen sie alle Hindernisse. Ich bin fasziniert, welche Passagen mit einem Geländewagen machbar sind. Die riesigen SUV's, die in der Stadt für mich immer recht deplaziert wirken, sind hier voll in ihrem Element!

Zurück auf asphaltierten Landstraßen kommt die erste schwerwiegende Panne der Tour. Das Lager meines Pedals löst sich innerhalb weniger Kilometer komplett in Wohlgefallen auf. So ein kleines Teil, aber doch so wichtig.

Normales pedalieren ist ausgeschlossen. Es muss ziemlich lustig aussehen wie ich mich fortbewege, Matthias krümmt sich jedenfalls vor Lachen. Zudem ist es schrecklich langsam. EinenR adladen gibt es im Autofahrerland Australien natürlich nur in den großen Ortschaften und natürlich sind diese gerade mehrereTagesetappen entfernt. Doch der Kollege “Zufall” kommt uns einmal mehr zur Hilfe. Rechter Hand entdecken wir an der einsamen Straße ein altes Haus und einen zugemüllten Garten. Neben sämtlichen Klüngel stehen dort auch zig völlig verrostete und fahruntüchtige alte Fahrräder. Von dem Besitzer gibt es leider auch nach langer Warterei keine Spur.

Aber wir finden ein 70er Jahre - Pedal das wir an meine Kurbel montiert bekommen. Ein echter Glücksfall der uns eine ganze Menge Zeit spart. Ich lasse ein paar Dollar und einen netten Brief als Gegenleistung dort.

Neuseeland

 

In Wellington treffen wir wie geplant unsere Freunde Tobi und Kerstin, die hier mit dem Wohnmobil herumreisen. Vor genau 10 Jahren habe ich mit Tobi eine Radreise durch den Westen der USA gemacht. Damals haben wir zufällig Matthias, auf einem einsamen Pass in Oregon, kennengerlent. 

 

Wir haben uns auf Anhieb so gut verstanden, dass wir den Rest der Radreise zusammen gefahren sind. 10 Jahre Freundschaft und zig tausende Kilometer Radreise später sind wir nun zusammen auf der Nordinsel Neuseelands und es werden einige der alten Heldengeschichten wieder aufgewärmt.

Für uns geht es danach jedoch mit der Fähre durch die Cook Strait auf die Südinsel, zum Dorf Picton. Gleich die ersten Meter wissen zugefallen. Fjorde, Berge, Strände – Natur vom Feinsten. Im äußersten Nordwesten der Insel lockt uns der Wharariki Beach an. Leider müssen wir dafür eine lange Sackgasse in Kauf nehmen. Wir sind noch nicht einmal halb da und schon lohnen sich die Mühen.  Ander Golden Bay läd uns Owen zu sich ein. Er empfängt uns wie seine zwei verlorenen Söhne und lässt einen Gag nach dem anderen los. Wir kommen aus dem Lachen kaum noch raus. Nebenbei ist Komiker Owen auch noch ein brillianter Koch. Ein Radler ist er bisher jedoch nicht. Er beherbert aber nur Radreisende weil die, wie er sagt, di einteressantesten Sachen erlebt haben und erzählen können. Bald will er sich ein Reiserad kaufen uns selber los fahren.

 

Weiter gehts zum Kap. die Fahrräder verstecken wir im Busch und wandern entlang der imposanten Steilküste zum Wharariki Beach. Der kleine Strand am Ende des Weges haut uns um. Viel mehr Wildheit und Abgeschiedenheit an einer Küste sehen wir selten. Dünen, Höhlen ,Robben und ein Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch. Die Nachtunter unserem Tarp wird nicht lang, den Sonnenaufgang in dieser Traumkulisse lassen wir uns auch als passionierte Langschläfer nicht entgehen. Zurück bei Owen benutzen wir sein Haus und seine Gastfreundschaft als Basis für verschiede Wanderungen in der Region.

 

Langsam aber sicher arbeiten wir uns dann aber gen Süden vor und kommen voll in den Regen. Macht nichts, so haben wir die Regensachen wenigstens nicht umsonst mitgeschleppt. Wir finden einen schönen Platz entlang eines Flußes. Dieser ist noch hunderte Meter entfernt. Es regnet wie aus Eimern, aber wir beiden Naivlinge schlafen seelenruhig. 

 

Zum Glückbefinden wir uns im fortgeschrittenen Alter. Als bei Matthias um Mitternacht die Blase drückt traut er seinen Augen nicht: Der niedliche Fluß ist ein Strom geworden und fließt nun auf einmal schon durch unsere Zelt- Abside! Eilig wird das nun auf einmalgefährliche Camp abgebaut. "Wasser ist eine der größten Gefahren in Neuseeland" habe ich mal gelesen. Stimmt! Diese Situation haben wir völlig unterschätzt, nicht einkalkuliert das der Fluß in kurzer Zeit in so einem Tempo ansteigen kann.

Wir haben auch danach noch oft Regen....aber die Stimmungen sind teilweise einfach nur gigantisch: 

 

Erholung gibts wenig später in einer heißen Quellen. Von einem Einheimischen bekommen wir den Tipp. Es ist ein wenig wie damals auf Island. EinKaltwasserfluß, daneben ein kleines Loch mit 40 Grad heißem Wasser- mitten im Nichts! Einfach nur genial! Diese Erholung tut auch bitter not. Wir kämpfen uns hier teils über Mountainbike Pisten die Berge entlang. Mit einem vollbepackten Reiserad eine ziemliche Plackerei, tolle Streckenführung ist dafür aber inklusive!

 

Wir haben es uns zur Angewohnheit gemacht ab und zu ein Körper Work-Out zu machen, damit außer den fahrradspezifischen Muskeln nicht allea nderen verkümmern.

Eines Tages machen wir einige Übungen nachunserer Mittagspause in einem kleinen Ort. Was wir nicht ahnen: Wir werden beobachtet. Als wir kurz danach bei einem Senioren Zentrumnach Wasser fragen werden wir aufgefordert die Übungen hier zu wiederholen. Selbstverständlich machen wir den Herrschaften die Freude.

Da ich zu dieser Zeit einen Stützstrumpf trage frage ich mal ganz locker in die 80+ Runde wieviele hier denn das gleiche Beinkleidtragen. Als dann im Saal außer der Ältesten, einer 97 Jährigen, niemand aufzeigt ist das Gelache im Saal natürlich groß und die Senioren wirken auf einmal 20 Jahre jünger.

 

Im Motekua Valley haben wir auf der Karte eine Höhle entdeckt. "Privateproperty" prangt an der Schranke die in den Wald hineinführt. Daneben aber auch eine Ranch an dessen Eingangsgatter ein Schild mit dem Wort "Waldheimat" hängt. So lernen wir Tom kennen. Er ist Schafzüchter und Jäger und hat österreichische Wurzeln. Er kritzelt uns eine Skizze damit wir die Höhle überhaupt finden können, gibt uns aber noch den Rat vorsichtig zu sein "Die Höhle ist unerschlossen" Zum Abschluß schenkt er uns noch frisch erjagtes Wildschweinfleich für unser Camping-Dinner.

Die unter mächtigen Bäumen spektakulär versteckte Höhle erweist sich jedoch als zu gefährlich für uns ohne passende Ausrüstung. Ein reißender Bach der in ihren Tiefen verschwindet versperrt uns nach nur wenigen Metern in der Finsternis das Weiterkommen.

 

Im Süden nehmen wir einige Sackgassen in Angriff. Der Weg zum Mount Aspiring geht z.b. durch einige Furten und entlang weiter Ebenen. Herr der Ringe lässt grüßen! 

 

Auf dem Weg zum Mt Cook wird die Landschaft immer spektakulärer. Weite Täler, reißende Flüsse und Gletscher bestimmen das Landschaftsbild.

 

Die in den Herbsfarben leuchtenden Bäume sind das I- Tüpfelchen. Achja und Sonnenuntergänge gibt es natürlich auch. 

In der Nähe von Queenstown werden wir von Jane und Chris eingeladen. Sie wohnen in einem wunderschönen Haus mit eigenen Schwimmteich im Garten. Unser Reich ist eine umgebaute Scheune. Der totale Luxus. Völlig abgefahren ist jedoch, dass wir Abends zufällig merken dass wir die selben Leute kennen. Die beiden sind zusammen mit Michael und Anselm den Pamir Highway gefahren, jenen Michael und Anselm mit denenwir in Tibet unterwegs waren. Die Welt ist ein Dorf!

 

Danach geht es wieder auf eine traumhafte Piste durch Nichts. Als wir hier Abends ein Polizeiauto sehen wundern wir uns nicht schlecht. Tage später erfahren wir, dass es hier zu einem tötlichen Autounfall kam. Ein Auto hat einen Fußgänger umgefahren. Wir haben in den 4 Tagen auf der Piste vielleicht 10 Autos gesehen....wie kann sowas bloß hier passiern....?

Die Baldwin Street in Dunedin ist eine Touristenatrraktion.

Sie soll die steilste Straße der Welt sein. Bei dem Versuch sie mit dem vollbepackten Reiserad zu meistern scheitern wir kläglich kurz vom Gipfel. Zugleich kommen aber emsige Asiatinnen zur Hilfe und haben eine Menge Spaß daran unsere Fuhre mit nach oben zu wuchten.

Zurück an der Küste geht es hoch nach Queenstown, dem Ende unseres

Neuseeland Trips. Auch hier entlang der Küste erfahren wir wieder

eine Menge Gastfreundschaft.  John läd uns zum Wein ein und besorgt

und einen 1 A Campspot auf seinem Privatgrundstück direkt über dem

Meer.

Bei den Moreaki Bouldes, besonders schön rundgeschliffenen

Steinen am Strand, kommen wir während eines heftigen Unwetters bei

einer Ranch unter.

Ein interessantes Erlebnis ist unsere Begegnung

mit Paul. An jenem Abend sind wir einfach mal auf gut Glück in die

Nacht hineingefahren. Mitten in der Nacht frage ich in einer Kneipe

ob jemand eine Idee hat wo wir schlafen können. Paul hebt die Hand

und erklärt uns den Weg zu seinem Haus, das praktischerweise

unverschlossen ist. 2-3 Bier später kommt er nach. Eine echter Kerl.

Goldsucher, Truck- , Yachtliebhaber und unter dem Motto lebend: " I love petrol and beer" - also jemand der wohl nie Radreisende ansprechen würde und auch wenig mit uns gemein hat.

In Queenstown muss ich mich von Matthias verabschieden. Die Arbeit ruft ihn zurück nach Deutschland. Der Abschied von meinem guten Kumpel und treuen Reisegefährten fällt schwer. Ich fliege alleine ins Herz Australiens, zum Ayers Rock. Von hier startet das Abenteuer "Outback". Dazu mehr im Bericht über "Australien"

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